Chaperon Rouge – Red Riding Hood – Rotkäppchen

Illustration: Arpad Schmidhammer, Text: Gebrüder Grimm, Verlag: Mainz Josef Scholz um 1920. Exemplar des Bayerischen Nationalmuseums München.
Dieses Bilderbuch aus den 1920er Jahren zeigt uns auf dem Titelbild die Schlussszene, in der Rotkäppchen der kranken Großmutter die Flasche Wein überreicht, die sie ihr zusammen mit einem Kuchen im Auftrag ihrer Mutter gebracht hat. Links im Bild steht ein Jäger, der die Szene betrachtet. Halb im Bett und halb auf dem Fußboden liegt ein Wolf auf dem Rücken, dessen prall gefüllter Bauch zugenäht wurde.
Jedes Kind, das in diesem Bilderbuch geblättert oder gelesen hat, kennt natürlich den Inhalt des Märchens:
Ein kleines Mädchen, dem seine Großmutter einst eine rote Kappe geschenkt hatte, daher Rotkäppchen genannt, wird von der Mutter zu der in einem Haus im Wald wohnenden, bettlägrig kranken Großmutter mit einem Korb Leckereien (Kuchen und Wein) geschickt. Die Mutter warnt Rotkäppchen eindringlich, es solle nicht vom Weg abgehen. Im Wald lässt es sich auf ein Gespräch mit einem Wolf ein. Dieser horcht Rotkäppchen aus und macht es auf die schönen Blumen auf einer nahen Wiese aufmerksam, worauf Rotkäppchen beschließt, noch einen Blumenstrauß zu pflücken, der Warnung der Mutter zum Trotz. Der Wolf eilt geradewegs zur Großmutter und verschlingt sie. Er legt sich in deren Nachthemd in ihr Bett und wartet auf Rotkäppchen. Bald darauf erreicht Rotkäppchen das Haus, tritt ein, und begibt sich an Großmutters Bett. Dort wundert sich Rotkäppchen über die Gestalt seiner Großmutter, erkennt aber den Wolf nicht, bevor es ebenfalls verschlungen wird. Großmutter und Rotkäppchen werden vom Jäger aus dem Bauch des schlafenden Wolfes befreit. Dem Wolf werden stattdessen Steine in den Bauch gefüllt. Wegen des Gewichts der Steine kann der Wolf nicht fliehen und stirbt.
Dass dieser versöhnliche Schluss aber nicht zu dem „Rotkäppchen“-Märchen gehörte, wie es im 18. Jahrhundert erzählt wurde, sondern erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Brüdern Grimm hinzugedichtet wurde, davon soll im Folgenden die Rede sein.
In der Online-Enzyklopädie Wikipedia lesen wir:
Rotkäppchen ist ein deutsches Märchen. Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm als Rothkäppchen an Stelle 26 (KHM 26) und geht durch mündliche Weitergabe über Johanna und Marie Hassenpflug auf Charles Perraults Le Petit Chaperon rouge in Contes de ma Mère l’Oye (1695/1697) zurück. Ludwig Bechstein übernahm das Märchen 1853 von den Brüdern Grimm in sein Deutsches Märchenbuch als Das Rotkäppchen (Nr. 9). Andere Titel sind Rotkäppchen und der (böse) Wolf, im österreichischen Burgenland und Ungarn auch Piroschka (von ungarisch piros: rot). Als europäisches Märchen ist es als Typ ATU 333 eingeordnet.
Die beiden ersten literarischen Rotkäppchenversionen stammen von Charles Perrault aus den Jahren 1695. Die Brüder Grimm veröffentlichten die Geschichte im ersten Band ihrer Kinder- und Hausmärchen von 1812 unter der Nummer 26.
Während sich die Grimm'sche Version des Märchens im deutschsprachigen Raum durchgesetzt hat und in vielen Ausgaben bald auch sprachlich verändert und oft dem Zeitgeschmack entsprechend illustriert wurde, ist im französischen und auch im englischen Sprachraum die ursprüngliche Version von Charles Perrault wirksam geworden.
Bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass es sich bei dem englischen und dem französischen Artikel in Wikipedia „Le Petit Chaperon rouge“ und „Little Red Riding Hood“ um jeweils nur leicht modifizierte Übersetzungen des deutschen Wilkipedia-Artikels handelt.
Ich habe deshalb Rotkäppchen-Texte in französischer, deutscher und englischer Sprache zwischen 1695 und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesammelt und für diese Präsentation dokumentiert.